Den Stress weglachen: Lachyoga und R.E.S.E.T. zur Stressbewältigung

Den Stress weglachen: Lachyoga und R.E.S.E.T. zur Stressbewältigung

Emotionen wie Stress und Anspannung hängen auch mit der Kiefermuskulatur zusammen ▬
Lachyoga und bioenergetische Behandlungsmethoden können Verspannungen lockern

Summary

Lachyoga und Entspannung der Kiefermuskulaturnach dem R.E.S.E.T.-Verfahren sind sanfte Methoden, um Alltagsstress abzubauen.Sie stellen eine wertvolle Ergänzung zu vorhandener schulmedizinischer Therapie bei einer Craniomandibulären Dysfunktion dar, die jedem zur Verfügung stehen. Sie dienen sowohl der Verspannungsprophylaxe als auch zur Unterstützung und Stabilisierung erzielter Erfolge der Schienentherapie. Muskelverspannungen sind Reflex-Antwortendes Körpers auf die Herausforderungen der Umwelt. Es sind inkorporierte Handlungsmuster,die als Folge von anhaltendem Stress automatisch ablaufen. Diese führen im Laufe der Zeit auch zu Funktionsstörungen im stomatognathen Systems.     

Keywords

Lachyoga sowie das R.E.S.E.T.-Verfahren (Rafferty Energy System of Easing the Temporomandibular joint = Rafferty-EnergieSystem zur Entlastung des Kiefergelenks), im Folgenden Reset-Verfahren genannt, werden als Strategien zur Entspannungund Stressminderung eingesetzt. Sie können bei Problemen des orofazialen Systems oder einer Craniomandibulären Dysfunktion (CMD) als Folge einer schmerzhaft verkürzten Kaumuskulatur helfen.

Wie können Gewohnheiten, die zu einer CMD führen, gelöst werden?

Als Therapeut ist es sinnvoll, Patienten über körperliche Reaktionssysteme und schleichende Ursachen muskulärer Verspannungen aufzuklären, um dann wirksame, aber einfach durchzuführende Methoden zu empfehlen:

die beim Umgang mit emotional belastenden Situationen helfen,

die Verarbeitung von Stress erleichtern,leicht zu erlernen sind sowie das soziale
Umfeld bereichern,
die aber auch selbstständig zu Hause
durchgeführt werden können,
die helfen, gewappneter gegen fremde
Einflüsse zu werden, und
die auch automatisch das Gehirn animieren, sich spielerisch und ungezwungen an vergessene positive Gedankenmuster zu erinnern, sodass es spannungsfrei umtrainiert werden kann.

Lachyoga

Eine angenehme, wirksame Methode zum Stressabbau ist das Lachen. Inzwischen ist es allgemein bekannt, dass Erwachsene etwa 15-mal, Kinder sogar 400-mal am Tag lachen.

Ist es wahr, dass es Erwachsenen immer schwerer fällt, ungezwungen und locker zu lachen? Dass eine Lachaktivität sich immer spontan, als Folge einer lustigen Situation entwickelt und einen Sinn für Humor voraussetzt?

Mag sein, jeder kann dennoch täglich mehr lachen, sobald er sich dem Lachyoga widmet.

Dass Lachen ansteckend ist, konnten wir mit unserer Lachyoga-Gruppe spontan miterleben: Bei unserer Lachaktion in der U-Bahn haben sich zahlreiche Mitfahrende anstecken lassen und herzhaft mitgelacht [1]. Warum die Menschen lachen, wann, wie lange und welche Wirkungen das auf den Organismus hat, wurde in letzter Zeit von der Gelotologie, der Wissenschaft vom Lachen, eingehend untersucht.

Lachen ist eine Ganzkörperaktivität, bei der unzählige Muskeln, wie Gesichtsmuskeln und Zwerchfell, beteiligt sind.

Zahlreiche Erfahrungen bestätigen, dass Lachyoga sich hervorragend auch zur Entspannung der gesamten Gesichts– und besonders der Kaumuskulatur eignet. Man wird dadurch reaktionsstark und wach, da sämtliche Sinne mittrainiert werden.

Wie positiv sich das Lachen auf Myopathien sowie Myoarthropathien auswirkt, das wurde von der Schulmedizin noch nicht genügend untersucht und sollte öfter angesprochen werden.

Kurze Geschichte der Lachyoga-Entwicklung

Der indische Arzt Madan Kataria, der Erfinder des „Lachens ohne Grund”, vertritt die Meinung: „Lachyoga zielt auf Lachen als Körperübung ab, wodurch jeder leicht mitmachen kann“ [2]. Gemäß Wikipedia ist „Lachyoga (Hasya-Yoga oder auch Yogalachen) eine Form des Yoga, bei der das grundlose Lachen (sanskrit: hasya) im Vordergrund steht. Beim Lachyoga soll der Mensch über die motorische Ebene zum Lachen kommen; ein anfangs künstliches Lachen soll in echtes Lachen übergehen“ [3].

Prozedere beim Durchführen von Lachyoga

Sämtliche Lachaktivitäten sind in einen bunten Rahmen eingebettet:

Anfangs finden unterschiedliche Bewegungsübungen statt, die zur Aufwärmung dienen.

Lachübungen bilden die eigentlichen Kern-Elemente der Lachaktivität.

Diese Lachen-ohne-Grund-Salven dauern 30–60 Sekunden.

Klatschübungen mit Wiederholung der Silben ho ho, ha ha stimulieren die Körperrhythmik und richten den Fokus auf die Zwerchfellatmung.

Jedes anfangs gezwungene Lachen endet schließlich und endlich mit selbstverständlichen Lachkaskaden.

Pranayama-Atemübungen werden zwischendurch praktiziert. Diese dynamischen Atemübungen entstammen dem Yoga.

Nach einer Lachyoga-Sitzung folgt gewöhnlich eine Lachmeditation.

Positive Wirkung von Lachyoga

Ein Interessent, 48 Jahre alt, mit schmerzhaften Verspannungen der Schulter-NackenMuskulatur sowie verspannten Masseter berichtete, dass er seit über einem Jahr eine Knirscherschiene nachts trägt. Am Ende der Lachyoga-Stunde legte er gewöhnlich beide Hände an die Wangen und seufzte zufrieden: „Ich habe heute wieder so herzhaft gelacht, dass mir der Mund weh tut, da kann ich gar nicht mehr richtig sprechen!“ Für Menschen mit verspannten Kiefermuskeln, wie unseren Lachyoga-Interessenten, ist das tägliche Lachen ohne Grund ein Segen.

Sicher ist, dass beim Lachen die Zähne gar nicht zusammengepresst werden können und dass man bei dieser Übung voll im Hier und Jetzt ist. Die Atmungsaktivität wird tiefer, ein angenehmes Gefühl breitet sich im gesamten Körper aus.

Baut der speziell ausgebildete Lachyoga-Trainer auch gezielt Übungen zur Entspannung der Kaumuskulatur ein, werden diese von den Lachenden locker angenommen. Die Teilnehmer

nehmen die Kaumuskeln in unmittelbarer Aktivität wahr,

spannen sie probeweise an, um sie dann locker zu lassen,

beobachten die Bewegungen des Unterkiefers aufmerksam,

empfinden die Aktivitäten des Kiefergelenkes bewusst nach.

Ein erstes Zeichen der tiefgreifenden Wirkung des Lachens auf Verspannungen im orofazialen Bereich ist beim Lachyoga das Gähnen. Welches Phänomen dahintersteckt, ist noch nicht ganz genau geklärt. Der Neuropsychologe Robert R. Provine [4] hat diese reflexartigen Verhaltensweisen, das Lachen und das Gähnen, der meisten Lebewesen intensiv erforscht. Tatsächlich ist man beim Lachen oft gezwungen innezuhalten, um ergiebig zu gähnen. Er empfiehlt, diesem Impuls zu folgen, ihn zu unterstützen und nicht zu unterdrücken, sonst verkrampft der Körper erneut.

Wie schon früher erwähnt, können neue Erkenntnisse und Empfindungen allein durch reine mechanische Wiederholung von Lachübungen nur mit viel Mühe erreicht werden. Notwendig dafür ist sowohl eine Portion Neugierde als auch die Bereitschaft, seine Aufmerksamkeit, Sensibilität und Wahrnehmung zu schulen.

Fazit

Vor jedem Lach- und Kautreffen ist es empfehlenswert, eine energetische Entspannung der Kaumuskeln und eine Harmonisierung des Kiefergelenks zu unternehmen. Wir verwenden dafür bioenergetische Methoden.

Das Reset-VerfahrenUmorientierung mithilfe bioenergetischer Behandlungsmethoden

Diese Art von „präventiver Körperarbeit”, die beim Lachen und Kauen praktiziert wird, stimuliert das kinästhetische Erinnerungsvermögen und erlaubt eine spielerische, schrittweise Veränderung von Bewegungsmustern, die sonst nur mit viel Ausdauer erreicht werden kann. Denn: Bevor Disharmonien und Schmerzen zutage kommen und manifest werden, können sie Probleme auf energetischer Ebene bewirken.

Bioenergetische Methoden eignen sich gut dafür, blockierte körpereigene Energieströme erneut zum Fließen zu bringen. Erfahrungen im Rahmen der Körperakupunktur aus der Traditionellen Chinesischen Medizin, der Ohrakupunktur oder der Mundakupunktur nach Gleditsch bestätigen: Werden bestimmte Areale im Mund oder Gesichtsbereich behandelt, treten auch Wirkungen an entfernteren Körperregionen auf. Aber auch umgekehrt ist das der Fall. Langjährige Erfahrungen bezeugen, dass der Körper im Laufe der Evolution auch für den Fluss der Lebensenergie Bahnen entwickelt hat, die sogenannten Meridiane. So kann der Energiefluss von unterschiedlichen Körperregionen ausgehend harmonisiert sowie schon eingetretene Beschwerden können reduziert werden. Im Gesichtsbereich verlaufen diejenigen Meridiane, die zuständig sind für Magen (siehe Abb. 2), Dünndarm, Dreifacher Erwärmer, Gallenblase und Dickdarm. Und auch im Mundbereich sind die gesamten Organe abgezeichnet. Stimmt hier der energetische Fluss nicht mehr, sind auch die entsprechenden Organe betroffen.

Kinesiologische Therapieformen haben ebenfalls längst einen Platz in der alternativ-naturheilkundlichen Behandlung eingenommen. Dabei wird ein Muskeltest eingesetzt, um den energetischen Zustand des Körpers zu erfahren, zu beeinflussen und zu harmonisieren. Das Reset-Verfahren wurde von Philip Rafferty aus einem Ableger dieser Methode, Kinergetics, entwickelt.

Wann wird die Reset-Methode eingesetzt?

Reset ist eine eigenständige, manuelle Therapiemethode, die eine bioenergetische Entspannung der Kiefermuskeln bewirkt und die Kiefergelenke harmonisiert.

Sie wird zur körpereigenen energetischen Selbstregulation eingesetzt.

Patienten mit Muskelverspannungen oder diversen körperlichen Dysbalancen können diese Methode zur Selbsthilfe erlernen und anwenden, Vorkenntnisse sind dafür nicht erforderlich. Für Mediziner, Heilpraktiker und Therapeuten ist sie ebenfalls eine bereichernde Ergänzung ihres Therapieangebotes. Es handelt sich um eine Übungsfolge mit festgelegten, bestimmten Hand- und Fingerpositionen, welche

die Energiezufuhr und Entspannung an den wirksamsten Kopf- und Körperarealen beeinflusst und steuert,

über einen vorgeschriebenen Zeitraum (im Seminar) erfolgt, der danach nach individuellem Bedarf des Patienten angeglichen wird,

sowohl bei offenem als auch bei geschlossenem Mund stattfindet,

sowohl bei offenen als auch bei geschlossen Augen durchgeführt wird,

energetische Spannungszustände im Körper löst.

Durch diese Fremd- oder Selbstberührungen werden die Energiebahnen des Körpers beeinflusst. Das Gleichgewicht im Energiehaushalt des Körpers wird angestrebt beziehungsweise erneut hergestellt.

Die gesamten Indikationen zur Anwendung dieser Übungen sind aus den weitreichenden Funktionen des Temporomandibulargelenks und dessen Beeinflussung durch verspannte Kiefermuskulatur abzuleiten.

Das Kiefergelenk

Das Temporomandibulargelenk verbindet den Schädel (am Os temporale) mit der Mandibula. Es ist ein doppeltes Dreh-Gleitgelenk. Abb. 3 illustriert den komplexen Vorgang der Biomechanik des Kiefergelenkes. Disharmonien oder Blockierungen treten in zahlreichen Fällen als Folge verspannter Kaumuskeln auf. Diese können eine Ursache auch in seelischen Verdrängungsmechanismen haben. Wird Wut oder Angst immer heruntergeschluckt, lässt man Tränen nicht freien Lauf, so verspannt sich im Laufe der Zeit nicht nur die Kau-, sondern auch die Hals- und Nackenmuskulatur.

Disharmonien werden über Knochen- oder Fasziensysteme weitergeleitet, sodass letztendlich auch Augen, Nase, Zunge sowie der restliche Organismus darunter leiden.

Martin Grunwald hat im Rahmen einer Forschungsarbeit in seinem Haptik-Labor der Universität Leipzig herausgefunden, dass auch unsere Selbstberührungen einen positiven Einfluss auf Schmerzen haben sowie Emotionen ins Gleichgewicht bringen können [5].

Zahlreiche Erfahrungen bestätigen die positive Wirkung balancierter Kaumuskeln mithilfe der Reset-Methode sowie deren Fernwirkung im Beckenbereich, zum Beispiel auf die Muskeln Psoas und Sartorius. Im „Touch for Health” stehen diese Muskeln in Verbindung mit Niere und Nebenniere. Das Energetisieren der Kiefermuskeln erlaubt auch eine umfangreiche Verwertung des Wassers im Körper. Biochemische Reaktionen im gesamten System werden aktiv unterstützt. Einer Übersäuerung des Körpers kann auf diese Weise entgegengetreten werden.

Wann wird Reset noch angewandt?

Rafferty ist der Meinung: „Bei großen Kiefergelenksproblemen ist Reset oft die erste Wahl, weil die Kiefermuskeln schnell und ohne Eingriff oder Manipulation und ohne Schmerzen entspannt werden können“ [6]. Reset ist eine besonders entspannende energetische Therapieform und hat einen positiven Effekt:

bei Beschwerden im Temporomandibulargelenk

bei der Begleitung von zahnärztlicher sowie kieferorthopädischer Behandlung

auf Bruxismus-Patienten

auf Missempfindungen beim Kauen und Lachen

auf zahlreiche Körperbeschwerden wie Spannungskopfschmerzen oder Schlafstörungen

als Begleitung zur Tinnitus-Therapie

bei Rückenbeschwerden, Becken-, Knie- und Fußproblemen sowie Verdauungsschwierigkeiten

auf den Craniorhythmus sowie auf das hormonelle System, da die Musculi pterygoidei lateralis und medialis ihren Ursprung am Keilbein (Os sphenoidale) haben, das auch die Hypophyse beherbergt.

Das Mundorgan dient in besonderem Maße auch zur Verarbeitung von emotionalem Stress. Belastende Emotionen, die oft jahrelang in verspannten Kiefermuskeln (besonders im Musculus temporalis) gespeichert sind als Folge von Traumata, übermäßigem Stress mit Knirsch- oder Pressgewohnheiten der Zähne können bei Reset-Sitzungen frei werden. Energetische Blockaden, die einen Fluss durch die Energiebahnen verhindern, werden so gelöst. Die über den Kiefermuskeln und in der unmittelbaren Nachbarschaft des Kiefergelenkes verlaufenden Meridiane werden mit Reset egalisiert, ins Gleichgewicht gebracht.

Fazit

Die Möglichkeit, einfache Entspannungsmethoden der Kiefermuskeln zu erfahren, welche in jeder Situation angewendet werden können, bringt mehr Harmonie in den Alltag zahlreicher Mitmenschen. Schlussfolgernd kann behauptet werden: Lachyoga, bewusstes Kauen und Entspannen der Kiefermuskulatur nach der Reset-Methode sind winzige, aber wertvolle, das Selbstbewusstsein steigernde Ressourcen. Diese tragen wie Puzzlesteine zur Vorbeugung oder zu einer positiven Beeinflussung von Stressgeschehen und CMD-Symptomen bei.

 


 

Dieser Artikel erschien zuerst in der zkm – Zeitschrift für Komplementärmedizin Nr. 2 – 2020

 


 

Literatur
1 Grau M. Lachen in der U-Bahn (07.12.2011). Im Internet: https://www.youtube.com/ watch?v=EeauvE1M7qc; Stand: 25.07.2018
2 Kataria M. Lach-yoga. Lachen ohne Grund. Bangalore: Dr. Kataria School of Laughter Yoga, 2012: 34
3 Wikipedia. Lachyoga. Im Internet: https://de. wikipedia.org/wiki/Lachyoga; Stand: 05.02.2020
4 Provine RR. Ein seltsames Wesen. Warum wir gähnen, rülpsen, niesen und andere komische Dinge tun. Hamburg: Rowohlt; 2014
5 Grunwald M. Homo Hapticus. Warum wir ohne Tastsinn nicht leben können. München: Droemer; 2017: 148
6 Rafferty P. Skript: R.E.S.E.T.1- Balancierter Kiefer, balancierter Körper. Workshop Manual. 2012: 20

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